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Die Wirecard-Schlagzeilen im April

|   Aktienrecht

Der parlamentarische Untersuchungsausschuss verhört seit letztem Jahr Zeugen, um aufzudecken, ob der Betrugsskandal auf politischer Ebene hätte verhindert werden können.

Über 300 Stunden wurde getagt, über 80 Zeugen befragt und Unmengen an Unterlagen durchforstet. Unter anderem mussten im April Bundeskanzlerin Merkel, Finanzminister Scholz, Wirtschaftsminister Altmaier, Digitalstaatsministerin Bär, Justizministerin Lambrecht, Ex-Kanzleramtsminister Schmidbauer und vor allem Finanzstaatssekretär Kukies aussagen. 

Vor allem das Finanzministerium stand im Mittelpunkt der Untersuchungen, da es zuständig für die Aufsichtsorgane ist. Finanzminister Scholz lehnte in der Befragung jede Verantwortung seinerseits oder seitens seines Ministeriums ab.

Es wurden viele Missstände bei Deutschlands Kontrollbehörden und dem ehemaligen Dax-Konzern ans Licht gebracht. Ein Nachweis, dass die Bundesregierung das Unternehmen bewusst geschützt hätte, ist bisher nicht dabei herausgekommen. Doch die Fehler von EY, Apas und Bafin wiegen schwer.

Was das Gremium seit Oktober vergangenen Jahres ans Tageslicht gebracht hat, kostete einigen hochrangigen Behörden- und Bankmitarbeiter Job, Reputation oder Boni. Dazu zählen Felix Hufeld als Chef der Finanzaufsichtsbehörde Bafin und seine Stellvertreterin Elisabeth Roegele.

Das Manager Magazin nennt die vier wichtigsten Erkenntnisse:

1. EY-Wirtschaftsprüfer arbeiteten laut einem über 90-seitigen Gutachten von Rödl & Partner oberflächlich und stümperhaft. EY hat demnach Prüfungsstandards nicht im vollen Umfang umgesetzt, sich in wichtigen Fragen auf mündliche Informationen des Wirecard-Vorstands verlassen und keine weiteren Nachweise eingeholt. Warnsignale und Ungereimtheiten blieben ohne Konsequenzen.

2. Keine Compliance-Regeln bei Kontrollbehörden: Kurz vor der Insolvenz und während laufender Ermittlungen seiner Behörde im Wirecard-Skandal hat der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose, selbst mit Aktien des Konzerns gehandelt. Schon einige Wochen vorher war bekannt geworden, dass Dutzende von Mitarbeitern der Bankenaufsicht Bafin Geschäfte mit Wirecard-Papieren gemacht haben.

3. Die Bafin verhängte das sogenannte Leerverkaufsverbot, um Spekulationen auf fallende Kurse mit geliehenen Wirecard-Aktien zu verhindern. Die Entscheidung wirkte auf Außenstehende, als wollte die Aufsicht den Konzern schützen.

4. Schockierende Einblicke lieferte die ehemalige Aufsichtsrätin Tina Kleingarn: Der  Konzern habe zentrale Regeln zur guten Unternehmensführung ignoriert, die Zusammenarbeit mit Aufsichtsrat und Wirtschaftsprüfern nicht ernst genommen und sich allen Versuchen, die Zustände zu verbessern und professionelle Strukturen einzuführen, widersetzt.

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