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Greensill - eine Bank verschwindet

|   Bankenrecht

Welche Folgen sich für deutsche Anleger aus dem Greensill-Debakel ergeben

Plötzlich und unerwartet – so mag mancher das Seil der Greensill-Bank empfinden. Einer Bank, die in Deutschland praktisch nur wenige kennen. Sie unterhält eine einzige Niederlassung in Bremen in einem schmucklosen Bürogebäude. Nur ein kleines Schild am Eingang weist auf das Institut hin, dass offensichtlich international verflochten ist und ein großes Rad drehte. Nunmehr wurde die Bank von der BaFin gleichsam geschlossen, es wurde ein Verfügungsverbot und das Verbot, neue Einlagen anzunehmen, ausgesprochen. Der nächste Schritt dürfte die Liquidation des Geldinstituts sein, ein Schritt, den die Aufsichtsbehörde in Deutschland nur selten unternimmt. Das Schicksal ereilte beispielsweise 1974 die Herstatt Bank, 2001 wurde das von dem aus unserer Sicht kriminellen Finanzunternehmen Göttinger Gruppe vereinnahmte Bankhaus Partin geschlossen.

Keine Gefahr für Inhaber von Sparkonten

Das Institut hat über diverse Werbekanäle Gelder eingeworben, die vergleichsweise hoch verzinst waren. Wer hier Einlagen, beispielsweise Festgeldguthaben, unterhält, braucht sich zunächst mal keine Sorgen machen. Für 100.000 EUR tritt die gesetzliche Einlagensicherung ein. Wer mehr im Feuer hat, muss sich längerer Zeit nehmen, der Einlagenfonds des Bundesverbands deutscher Banken, dem das Institut ebenfalls angehörte, haftet selbst für Einlagen in Millionenhöhe, wenn auch nicht voll.

Schwieriger wird es, wenn jemand Schuldverschreibungen o. ä. Finanzierungsinstrumente der Bank gezeichnet haben sollte. In diesem Falle müsste er sich auf das Insolvenzverfahren verlassen. Dies gilt auch für Sparbriefe oder sonstige verbriefte Kapitalanlagen, die von der Bank selbst emittiert werden.

Vom Finanzierungsmodell für Farmer zum Supply-Chain-Fonds-Geschäft

Die Probleme haben sich offensichtlich über längere Zeit aufgestaut. Das Geldinstitut hat seine Wurzeln in Großbritannien und Australien. Es beschäftigte sich seit seiner Gründung im Jahre 2011 mit Factoring-Geschäften für australische Farmer. Das alles wäre wenig spektakulär. Man hat die Darlehen, die man in diesem Zusammenhang gewährte, allerdings dann nach neuer Sitte gebündelt und Infos ausgelagert, die dann wiederum an Investoren gingen. Die Supply-Chain-Finance-Fonds fanden zahlreiche prominente Anleger, darunter den japanischen Investmentkonzern Softbank. Mit dabei das Schweizer Bankhaus Credit Suisse, das allerdings dann plötzlich kalte Füße bekam und das zwischenzeitlich bis zu 10.000.000.000 EUR schwere Geschäft mit den Anglo-Australiern einstellte.

In diesem Zusammenhang dürfte es für die betroffenen Anleger zu empfindlichen Verlusten kommen, zumal offensichtlich auch Kreditversicherungen alleine i.H.v. 4,6 Milliarden USD nicht decken sollen. Anscheinend seien die Policen nicht verlängert worden.

Freigiebig verteilte Gelder

Wie immer gibt es auch den notwendigen Glamour, der sich nicht unbedingt in der Bremer Geschäftsimmobilie, aber beispielsweise in vier Privatjets niederschlägt, die seit 2016 für insgesamt 72.000.000 EUR angeschafft worden sein sollen.

Dumm zudem, dass zwischenzeitlich offensichtlich aufgrund persönlicher Beziehungen Unternehmen des indischen Stahl-Magnaten Sanjeev Gupta 1,5 Mrd. EUR an Krediten gewährt worden sein soll, für die es offensichtlich keine oder jedenfalls keine ausreichenden Sicherheiten gibt. Dies war offensichtlich der ausschlaggebende Grund, warum die BaFin die Reißleine zog. Natürlich gibt es Spekulationen, warum sich Greenzell ausgerechnet Deutschland für seine Niederlassung in Europa aussuchte, Spekulationen, bei denen auch die deutsche Finanzaufsicht nicht unbedingt gut wegkommt.

Wir erwarten mit Spannung, was sich aus der Angelegenheit noch ergibt. Wenn Sie in diesem Zusammenhang Fragen haben, wenden Sie sich jederzeit gerne telefonisch oder per Mail an unsere Geschäftsführer Frau Dr. Nuriye Yildirim und Wilhelm Lachmair.

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