Wirecard - Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt auch wegen Veruntreuung gegen Vorstände und Manager

Dreistellige Millionenbeträge an dubiose Empfänger verschoben

München, 03.07.2020; Schlimmer gehts offenbar immer. Nunmehr ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Ex Vorstände der Wirecard AG wegen des Verdachts der Untreue. So sollen 365 Mio. EUR als ungesicherte Kredite an diverse Unternehmen im asiatischen Raum ausgezahlt worden sein.Weitere 315 Mio. EUR wurden angeblich an ein Scheinunternehmen auf Mauritius gezahlt. Und dabei dürfte es sich wohl nur um die Spitze des Eisbergs handeln, das Zahlenwerk der Gesellschaft dürfte noch für zahlreiche weitere Überraschungen sorgen.

Zwischenzeitlich ist auch relativ klar, dass es sich bei den angeblichen "Niederlassungen" um Scheinfirmen handelt, die mit den angeblich über sie getätigten Geschäften nicht allzu viel zu tun haben. Die Staatsanwälte gehen davon aus, dass seit 2014 planmäßig betrogen wurde.

Jan Marsalek bleibt untergetaucht

Der ehemals fürs operative Geschäft zuständige Exvorstand Jan Marsalek ist zwischenzeitlich weiterhin untergetaucht. Seine Festnahme wird zu einer kniffligen Aufgabe für die Zielfahnder. Mittlerweile muss sich auch der Finanzvorstand Ley unangenehme Fragen stellen lassen. Der Aschheimer Wirtschaftskriminalität geht In die nächste Runde. Zunehmend fassungslos stellt man sich die Frage, wie ein derartiges Desaster seit vielen Jahren trotz entsprechender Warnhinweise ignoriert werden konnte. Der Vorwurf richtet sich gegen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young ebenso wie gegen die Finanzaufsicht. Dort scheint man sicher noch nicht einmal über Zuständigkeiten klar zu sein.

Soweit die Kapitalmarktaufsicht betroffen ist, kann sich die BaFin allerdings vor ihrer Verantwortung nicht drücken. Die Entscheidung, anstelle der tatsächlichen Täter zunächst die Journalisten zu verfolgen, die auf den Schwindel zunächst aufmerksam gemacht hatten, wird sie wohl noch lange verfolgen.