Wirecard – Wie gehts jetzt weiter?

Wie tief ist der Sumpf wirklich?

München, 26.06.2020; Die Probleme waren wohl zu groß.Am Abend des 25.06.2020 um 17:05 Uhr zog das Management unter dem kommissarischen CEO James H. Freis die Reißleine und stellte beim Amtsgericht München Insolvenzantrag. Das Verfahren wird beim Amtsgericht München unter dem Az. 1542 IN 1308/20 geführt. Mit Vorbereitungshandlungen wurde der angesehene Münchner Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé betraut. Angeblich geht man von einer vorläufigen Insolvenzmasse von etwa 450 Mio. EUR aus.

Zugleich verdichten sich die Hinweise auf Vermögensverschiebungen. So sollen auch Gelder in Steueroasen oder für unbesicherte Kredite abgeflossen sein. Derweil habe der Braun-vertraute und mit Vorstand Jan Marsalek sich angeblich von den Philippinen Richtung China abgesetzt. Während die ersten Anwälte schon Klagen gegen die Wirtschaftsprüfer eingereicht haben wollen, erscheint uns dies noch etwas verfrüht. Man sollte jetzt zunächst einmal die aktuellen Entwicklungen aufnehmen und die Faktenbasis verbreitern. Tatsächlich dürfte der Skandal viele Väter und demzufolge Verantwortliche haben.

Europäische Kapitalmarktaufsicht ESMA untersucht Verhalten der BaFin

Dieweil kommt die BaFin, die sich in der vorliegenden Affäre wohl nicht wirklich mit Ruhm bekleckert hat, unter Beschuss. Eine ganze Zeit lang hatte es den Anschein, dass man sich in erster Linie damit befasste, die Boten der schlechten Nachricht zu verfolgen, anstelle den erhobenen und durchaus detaillierten Vorwürfen von Untreuehandlungen und Manipulationen bei Wirecard selbst nachzugehen. Hier hat auch der Präsident der Behörde, Felix Hufeld, durchaus berechtigte Selbstkritik geübt. Die BaFin scheint ein zahnloser Tiger zu sein. Hier wird man wohl kurzfristig prüfen müssen, wie man die Behörde mit ausreichend Personal und Befugnissen ausstattet, um eine effektive Kapitalmarktaufsicht zu gewährleisten.

Zwischenzeitlich den sich die Krise auch auf die Tochtergesellschaften aus. So wurde der britischen Tochtergesellschaft Wirecard Card Solutions Ltd. mit Sitz in Newcastle upon Tyne durch die dortige Aufsichtsbehörde FCA faktisch das Geschäft untersagt.

Wir bleiben für Sie am Ball.